surreales

Dienstag, 10. Juni 2008

grundnahrungsmittel


Auf dem Zettel, den jemand in meinem Einkaufswagen hat liegen lassen:

1. Parmigiano
2. Frühlingszwiebeln
3. Mandeln
4. Orangensaft
5. Sojamilch

In einer anderen Schriftfarbe am Ende hinzugefügt:

6. die Liebe eines richtigen Mannes

Punkt sechs war vom ersten Stift durchgestrichen.

Montag, 19. Mai 2008

ich höre stimmen


Eine der Stimmen in meinem Kopf gehört zu diesem fast schon mumifizierten Ritter aus Indiana Jones und der letzte Kreuzzug. Ja genau, dieser jahrmillionen alte Knacker, der den heiligen Gral bewacht, der, der nachdem der böse Nazi aus dem falschen Becher getrunken hat, kurz bevor ebendiesem bösen Nazi das Gesicht wegschmilzt, diesen offensichtlichen Kommentar abgibt: "Seine Wahl war…schlecht."

Dieser Satz verfolgt mich, springt immer wieder hinter einer Ecke meines Alltages hervor. Die langsamste Schlange an der Supermarktkasse. Der Mann ohne Haare. Der Schleichweg nach Hause, der in eine Baustelle führt. Das Fahrrad nehmen, wenn’s nach Regen aussieht. Die Pommes heute Mittag, obwohl ich gar keinen Hunger hatte. Undsoweiter.

"Deine Wahl war…schlecht."

Vielen Dank, alter Mann, für diesen doch sehr wichtigen Hinweis.

Samstag, 17. Mai 2008

ferienzeit


In meinem Samstagnachmittagscafé machen die Baristas gerade Kaffeeverkostung. Der Kaffee wird aus jeder Maschine frisch aufgebrüht, dann wird ein Löffelchen aus jeder Schale probiert: sie saugen das Heißgetränk von einer Wangenhöhle in die andere, wirbeln den Schluck noch einmal im Uhrzeigersinn um die Zunge. Ausspucken. Danach werden, falls nötig, die Brühautomaten rekalibriert.

Ich sehe ihnen einige Augenblicke lang zu, dann wandern meine Gedanken kurz ins Abseits: wer hätte wohl die stärkste Aura hier im Raum, vorausgesetzt, ich könnte Auren sehen?

Freitag, 09. Mai 2008

es ist immer Jetzt!


Bei einer Lesung, bei der ich kürzlich war, wurde folgende Frage in den Raum geworfen: wie umsetzbar ist denn das 'im Jetzt Leben' im Alltag? Einer der Vortragenden sagte dazu, das Leitbild 'im Jetzt Leben' werde völlig überbewertet, und solange man nicht gerade Yogi oder Mönch ist, für uns ganz normale Leute ziemlich unmöglich einzuhalten. Der Schlüssel zu einem glücklichen Leben sind großartige Ereignisse oder Dinge, an die man sich gern erinnert, ebenso wie die großartigen Dinge, die man noch vorhat und auf die man sich freut. Also: viele Photos und viele Pläne machen!

Seit geraumer Zeit versuche ich, mein Leben genau so zu leben, nur habe ich es nicht ganz so gut in Worte fassen können. Ich glaube daran, dass wir schöne Bilder und Dinge aus unserem Leben brauchen und aufheben, weil diese uns helfen, die Geschichte unseres Lebens zu weben. Wenn ich mir meine Photos über die Jahre anschaue, stelle ich fest, dass ich einige fantastische Abenteuer mitgemacht habe, dass ich in einer kunterbunten Welt lebe, dass Schönheit an den erstaunlichsten Orten zu finden ist, dass sich Träume erfüllen, dass ich geliebt wurde und werde. In meinen Photos finde ich immer wieder andere Erinnerungen und Inspiration.

Pläne für die Zukunft zu schmieden gibt meinem gegenwärtigen Leben eine ganz andere Qualität. Wenn ich weiß, dass ich nächsten Monat auf Reisen sein werde oder nächste Woche wieder nächtelang durchtanzen werde, fühlt sich der heutige Tag ganz anders an. Leichter, irgendwie.

Dieses Jahr stehen einige nette Unterwegs-Abenteuer an, und allein zu wissen, was alles noch kommen wird, ist wie eine Packung Instant Happiness.

Viele Photos und viele Pläne machen – das ist so machbar.

Mittwoch, 07. Mai 2008

das meer empfiehlt


1. früh aufstehen, um Sachen zu erledigen, um die man sich schon viel zu lang gedrückt hat.
2. Zähne mit Zahnseide putzen.
3. Pizza mit Bananen und Schafskäse belegen.
4. Oralsex machen und davon nix als ein nasses Gesicht bekommen. Naja ... vielleicht auch nicht.
5. allein ins Bett gehen, weil man am nächsten Tag ausgeschlafen sein muss oder sonst irgendeine blöde Ausrede vor sich und allen anderen hat.

Freitag, 25. April 2008

küchengeheimnisse


In meiner Ernährungspyramide sind Bananen ganz oben angesiedelt, besonders Bananen in der Semmel oder als Shake mit Milch und Schokostreuseln, der auch schon mal eine komplette Mahlzeit ersetzt. Aber anscheinend ist in fünfzehn Bananen genug Chinin enthalten, um einen durchschnittlich gewichteten Menschen zu töten! Ich weiß nicht, ob es wirklich eine wissenschaftlich belegte Tatsache ist, ich habe diese Information von einer Freundin, die mit jemandem zusammen war, der es bei seinem Urologen im Wartezimmer in einem medizinischen Journal gelesen hat, aber es ist nicht wirklich etwas, dass ich auf die Probe stellen will.

Jeder, dem ich davon erzähle, hegt erst einmal Zweifel, aber nie genug, um sich tatsächlich an die Widerlegung dieser Behauptung zu machen. Nehmen wir mal an, jemand würde fünfzehn Bananen essen, um es ein für allemal herauszufinden. Was würde passieren?

Würde es ein allmählicher Niedergang in die Fruchtvergiftung mit schleichendem Verfall der inneren Organe sein, oder würde derjenige bis zur fünfzehnten Banane putzmunter sein und dann plötzlich tot umfallen? Und wenn er sich verzählt?

Im Bananentheorietestlabor:
'Ist das Nummer 14 oder 15?'
'Ich kann mich nicht erinnern.'
'Wie fühlen Sie sich?'
'Ganz gut soweit…'
'Hier ist noch eine.'
'Uh-oh! Sanitäter!' [Umfallgeräusch]
'OK, sieht aus, als wäre etwas Wahres dran, Jungs, fünfzehn Bananen ist die Obergrenze – Oh, wartet mal kurz, er bewegt sich noch. Geht's?'
'Puh, falscher Alarm! Ich denke, ich bin in Ordnung... '
'Gut, kurze Pinkelpause, dann werden wir die Bananendosis um weitere fünf erhöhen.'

Laut meinem Kochbuch beträgt die tödliche Dosis von Safran zehn Gramm. Safranrisotto, Safran-Honig-Milch, Safranknödel, Safrangarnelen…der perfekte Mord.

Mittwoch, 19. März 2008

konvertiten


Ich glaube, der Hausbewohner schräg über mir ist Buddhist geworden. Man hört tagtäglich Gebetsmühlengeklapper, vermischt mit Zimbel-Einlagen, diverse andere sphärische Klänge und eine Menge Ommmms. Sicherlich wird er mir bald mit heiter entrücktem Gesichtsausdruck und in ein oranges Bettlaken geschlungen im Treppenhaus begegnen.

Für ihn – der Weg zur Erleuchtung. Für mich – der Weg zur gestörten Nachtruhe. Buddhisten haben zwar keine festgelegten Gebetszeiten, es ist aber wohl üblich, vor dem Verlassen des Hauses zu meditieren (was obige Geräusche mit einbezieht), und da er die Bürozeiten eines Bäckers hat, läuft dies meinem Schlafrhythmus entgegen.

Vielleicht ist er ein weiteres Opfer der globalen Wirtschaftskrise. Vom Äußeren her wirkt er ja wie ein Heilpraktiker / Club DJ (wobei nicht sicher ist, welches als Nebenjob zählt, aber eine interessante Kombination, nicht?), dies könnte allerdings nur Tarnung sein, um nicht gleich als Day Trader oder Private-Equity-Gesellschafter erkannt zu werden. Vielleicht sind Zimbeln der einzige Weg, um mit den Anforderungen einer rund-um-die-Uhr-erreichbar-Gesellschaft fertig zu werden.

Das Leben der Anderen. Immer wieder spannend.

Mittwoch, 05. März 2008

generationentreffen


Seit kurzem weiß ich, dass meine Großmutter nicht mehr lange zu leben hat. Sie ist ein wundervoller Mensch, und eine meiner schönsten Erinnerungen habe ich aufgeschrieben.

Meistens sprechen alte Leute über langweilige Dinge, die nur andere alte Leute interessieren. Sie beschreiben wortreich, wie groß ihre Nierensteine sind, zeigen auch gerne mal Operationsnarben, oder können endlos über die fünftägige Wettervorhersage reden, oder sogar die Vorzüge von Marken- im Gegensatz zu Discounterinkontinenzwindeln diskutieren.

Die Geschichten meiner Großmutter sind da anders.

Letzten Sonntag, beim Mittagessen anlässlich der Taufe meines neuen Neffen, während sie sich mit ihren Stäbchen gerade eine weitere Nem Ninh Hoag von der Vorspeisenplatte fischte, erzählte sie mir, dass ihre Vogelspinne, das Honigblümle, gestorben sei.

"Sie wurde immer lethargischer, und ich wusste nicht warum. Neulich lag sie dann zu einem Haarbällchen zusammengerollt im Terrarium, tot." Sie seufzte.

"Also rief ich in der Zoohandlung an, um herauszufinden, woran es ihr gefehlt haben könnte. Ich sagte ihnen, dass ich das Terrarium immer schön mit Wasser einnebelte, und dass ich jeden Tag drei oder vier Grashüpfer reinsetzte, damit das Honigblümle genug Nahrung in Reichweite hat und nicht hungert. Ich wollte nicht, dass sie sich um die nächste Mahlzeit sorgen musste." Sie tunkte ihre Rolle in Chilisoße und erzählte weiter.

"Aber der Mann von der Zoohandlung sagte, das wäre zwar gut gemeint, aber vollkommen falsch gewesen. Man soll nur ein oder zwei Heuschrecken pro Woche füttern, mehr als das würden zuviel Hektik verbreiten, weil mindestens eine immer auf der Flucht vor dem Feind in nächster Nähe ist, und das hätte das Honigblümle ganz schön gestresst.“

Meine Mutter unterdückte ein Grinsen. Sie wandte sich zu mir und sagte, "Im Grunde hat sie das Honigblümle mit einem Nervenzusammenbruch erledigt. Die ständig rumhüpfenden Heuschrecken haben das arme Tier so kirre gemacht, dass sie sich einfach zusammenrollte und starb."

Der Patenonkel meines Neffen und seine angetraute Ehefrau, beides langjährige Freunde meines Bruders, die neben uns saßen, folgten dem Gespräch mit immer größer werdenden Augen.

"Ich hatte nicht vor, sie umzubringen." verteidigte sich meine Großmutter. "Ich wusste es nicht besser. Ich glaube, wir werden ein neues Honigblümle finden müssen." Sie zuckte mit den Achseln.

Ich plinkerte ein paar Mal mit den Augen, als sie die Geschichte beendet hatte, unsicher, was ich dazu sagen sollte. Dann fing ich an zu lachen.

Meine Großmutter auch.

Dafür lieb ich sie.

Dienstag, 04. März 2008

frau s. geht über die cebit


Wohl nur sehr wenige der wegen den vorgestellten Technologien angereisten Besucher bekamen Frau S. auf ihrem Messerundgang zu sehen. Das ist immer so, wenn sich der Tross aus Personen öffentlichen Interesses und Medienleuten durch die Gänge schiebt; Normalbürger können sich nur schwer vorstellen, dass solch dichtgedrängte Meuten von Menschen noch lauffähig sind. Wahrscheinlich ist das ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung von Fotografen und Kamerapersonen, unfallfrei draufhalten. So ein Event soll ja vor allem Bilder produzieren und Signale setzen - dafür tut sich eine Dame der Gesellschaft diese seltsame Tortur schon einmal an.

Folglich nutzten Frau S. und die Medien die Gelegenheit nach Kräften. Satte 127 ausgesuchte Porträts offerierten die Agenturen in den ersten zwei Stunden nach Beginn des Rundgangs. Und Frau S. diktierte den Journalisten vor Ort ein Feuerwerk geistreicher wie auch merklich spontaner Äußerungen in den Block:

"Ist es noch weit?"
"Können Sie mir mal erklären, wie das Ding hier funktioniert? Andersrumhalten? Ach so."
"Schick. Gibt’s das auch in Pink?"

Donnerstag, 21. Februar 2008

wie heißt das reh?


Frage: Ist es schlau, mitten in der Woche Auszugehen und bis in die frühen Morgenstunden zu feiern, auch wenn man am nächsten Tag zur üblichen frühen Stunde wieder im Büro sitzen muss?

Antwort: Nicht wirklich.

Frage: Ist es möglich, Kartoffelbrei mit Schokoladenmilch anstelle normaler Milch anzurühren?

Antwort: Möglich ist es schon, es ist aber nicht unbedingt eine gute Idee, da das Ergebnis eine sehr ungesunde braune Farbe entwickelt, die vom Verzehr abbringt.

Frage: Warum macht jemand morgens um vier noch Kartoffelbrei mit Fischstäbchen?

Antwort: Nun, dieser jemand war hungrig und mitten im Gang eines 24-Stunden-Supermarktes, der Instantkartoffelbrei und Fischstäbchen innerhalb weniger Meter Umkreis voneinander platziert, hörte es sich nach einem guten Plan an.

der norden

Die norddeutsche Tiefebene mag vielen auswärts lebenden Zeitgenossen flach und einförmig erscheinen, die in diesem Landstrich siedelnden Menschen wortkarg und verfressen. Doch der erste Eindruck täuscht gewaltig: Mitten in die Provinz schmiegt sich die schönste Stadt der Welt. Ihre Bewohner sind einerseits Bauern und Pendler, andererseits Graugänse und (kurz vor dem Aussterben) Husumer Protestschweine.

was war

autsch
Und dann laß ich mich nach drei Tagen Tanzen...
alpinweiss - 24. Jul, 14:21
julikind
Es ist Juli, siehst du das Leuchten in unserem Blick? Die...
alpinweiss - 24. Jul, 11:58
ja, wie geil ;))
ja, wie geil ;))
tobiaskassuehlke - 22. Jul, 15:37
Im Gegenteil - gewonnen....
Im Gegenteil - gewonnen. Verloren haben nur die Jungs,...
alpinweiss - 22. Jul, 15:26
soviel verloren? :)
soviel verloren? :)
tobiaskassuehlke - 22. Jul, 15:15
Es ist alles in Ordnung,...
Es ist alles in Ordnung, danke der Nachfrage. Nur Zeit...
alpinweiss - 22. Jul, 15:01
schon wieder hoch im...
Tanzen ist schön.Tanzen macht Spaß....
alpinweiss - 22. Jul, 14:58
na du....alles gut?
na du....alles gut?
tobiaskassuehlke - 21. Jul, 21:09

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Zuletzt aktualisiert: 24. Jul, 14:25

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