surreales

Dienstag, 14. Juli 2009

stößchen


In den letzten Stunden hat mein Magen immer wieder laut nach Fleisch verlangt. Nun sitze ich hier, inzwischen schon gar nicht mehr hungrig, esse Thunfisch aus der Dose und selbst die sonst immer gierigen Raben stürzen sich nicht auf die angebotenen Reste.

Immerhin.

Da es nicht mehr März oder Juni ist und ich nicht im Schaukelstuhl auf meiner Veranda sitze und Thunfisch aus der Dose esse, als frühes Abendessen um fünf, ist die Szene nicht ganz so bemitleidenswert.

Darauf einen Prosecco.

Montag, 06. Juli 2009

wenn mir für einen Tag meinen Verstand abhanden käme


Ich würde morgens um kurz nach sechs ausgeschlafen aus dem Bett springen und eine Runde durch mein Viertel spazieren. Es wäre keine gewöhnliche Runde und es wäre auch kein gewöhnlicher Tag, weil ich schon frühmorgens so betriebsam wäre, außerdem würde ich einen fuchsiafarbenen Tutu tragen. Ich würde in meinem Garten sitzen unterm Apfelbaum und die Außerirdischen aus der Geschichte zeichnen, die ich die Nacht davor geträumt habe, nur das ich an diesem Tag tatsächlich zeichnen könnte. Wenn es mir in den Kopf kommt, würde ich in meinem fuchsiafarbenen Tutu in den nächsten Gartenfachhandel radeln und ein paar Blumen für das Blumenbeet hinten am Ententeich kaufen. Nach getaner Pflanzarbeit gäbe es Kaffee und Kuchen für mich und meine Plüschtierfreunde, und alle würden meinen Schokoladenkuchen loben. Wenn sich meine Gäste verabschiedet haben, alle zufrieden angefüllt mit Schokolade und Sonnenschein, würde ich mich in die Hängematte zwischen den Kastanien legen und mein Buch über Andersens Reisen zu Ende lesen. Später würde ich Rollschuhlaufen und in meinem Tutu durch die Stadt tanzen, und niemand könnte mich aufhalten.

Montag, 08. Juni 2009

verloren


Mindestens vier Armbanduhren. Zähne. Schlaf. Gewicht. Den rechten Weg von Alcúdia nach Valldemossa. Zwei Paar Großeltern. Gepäck. Wetten. Den 2000-Meter-Lauf der Bundesjugendspiele. Meine Beherrschung. Meine Tugendhaftigkeit. Den Zahnstocher meines Schweizer Armeemessers. Die Hoffnung (zeitweise). Meinen Fahrradschlüssel. Das 'Freunde bleiben' Mixtape meiner ersten unglücklichen Liebe. Meinen Glauben. Freunde. Einen recht wertvollen Amethystring im Leutestopper einer Rolltreppe. Meinen Platz in der Warteschlange. Antrieb. Die nötige Würgereizunterdrückung, um Reality TV und Dokusoaps zu schauen. Quittungen. Meine Stimme (zeitweise). Das Rezept für Mongolisches Lamm. Telefonnummern. Adressen. Tassen aus meinem Schrank.

Meine Geduld.

Dienstag, 30. September 2008

home is nun mal where the heart is


Man könnte meinen, niemand lebt hier, wenn man nach über 20 Stunden Fliegerei im Taxi nach Hause sitzt, ein paar Lichter im Dunkeln an einem vorbeifliegen und man trotzdem das Gefühl hat, eigentlich bewegt sich nichts. Von oben sah die Stadt nicht klein, aber flächig mäandernd aus, man verändert ja doch seine Sehgewohnheiten und Relationen, wenn man mal woanders war. Und ich habe vor dem noch größten, begehbaren Gebäude der Welt gestanden und hoch geschaut und mein Blick ist an den kleinen Stufen abgeprallt, die sie dem Taipeh 101 ins Skelett gebaut haben und die mich an meine Bauklötze aus der Kindheit erinnern. Hannover ist so klein.

Hannover ist wie eine riesige Kulisse, wenn man aussteigt und vor der Haustür steht und sich nichts bewegt außer dem Wind in den frühherbstlichen Ästen der Bäume an der Grünfläche schräg über die Straße, wo nie jemand den Rasen betritt, nicht weil es verboten ist, sondern weil der Rasen als Hundeklo des Viertels gebraucht wird. Noch vor kurzem klingelte der Müllwagen so laut und die Musik hat einen bis auf den Hotelflur verfolgt. Alles hat mit einem gesprochen, von der Rolltreppe hin zum Fahrkartenautomaten - tu dies nicht, lass das - jaja. Hannover ist so leise.

Man ist auch ein bisschen im Urlaub, wenn man zurück nach Hause kommt und nachts auf dem Balkon steht, von dem aus man selbst im ersten Stock schon ein bisschen über die Stadt und wenn nicht wirklich über die Stadt, dann doch zumindest bis hinüber zum Bahnhof und auf ein paar Dächer sehen kann, jedes Dach hat nur zwei, drei Antennen. Die meisten haben Schrägen, Dachfenster und Ziegel. Das ist der Unterschied. Sowieso fehlen an den Fassaden die Kästen der Klimaanlagen. Und die Leuchtreklame, Hannover ist so sparsam.

An jeder Ecke scheint es plötzlich wieder einen Abfalleimer zu geben, die müllgetrennten Tonnen im Hof warten auf die Abholung alle drei Tage, die paar Fetzen altes Plakat neben der Straßenbahnhaltestelle sehe ich kaum. Und es ist nur der Nachtdunst, den man riechen kann, ein bisschen Kühle aus Lücken zwischen den Häusern, kein Heizungsgeruch, es tropft nicht von jeder Regenrinne, meine Nase ist fast ein bisschen gelangweilt. Hannover ist so sauber.

Und das leise Klackern der Absätze einer Frau auf den Gehwegplatten und später auf den Pflastersteinen der Toreinfahrt wirkt fast gespenstisch, wenn man zehn Tage lang von einem Gewusel ins nächste geschoben wurde. Wenn man dort war, wo sogar in der U-Bahn Atemmasken getragen werden, um niemanden mit einem Schnupfen anzustecken, wo man sich die Richtung nicht aussuchen kann, in die man getrieben wird. Hannover ist so leer.

Ich kann hier wieder die Namen der Straßen im Schlaf, ich weiß, was es ist, wenn ein Geräusch zu mir ins Zimmer fliegt. Ich muss nicht die Stirn in Falten legen und nicht nach dem Preis fragen und wenn ich gut bin, kann ich sogar in der Bahn einsteigen und bei der richtigen Station aufwachen. Ich weiß, wo die Oasen sind und wo die Müllhalden. Ich weiß, dass ich den Glanz morgen schon wieder vergessen haben und verschluckt sein werde von allem und den Tagen. Hannover, mein Zuhause.

Dienstag, 10. Juni 2008

grundnahrungsmittel


Auf dem Zettel, den jemand in meinem Einkaufswagen hat liegen lassen:

1. Parmigiano
2. Frühlingszwiebeln
3. Mandeln
4. Orangensaft
5. Sojamilch

In einer anderen Schriftfarbe am Ende hinzugefügt:

6. die Liebe eines richtigen Mannes

Punkt sechs war vom ersten Stift durchgestrichen.

Montag, 19. Mai 2008

ich höre stimmen


Eine der Stimmen in meinem Kopf gehört zu diesem fast schon mumifizierten Ritter aus Indiana Jones und der letzte Kreuzzug. Ja genau, dieser jahrmillionen alte Knacker, der den heiligen Gral bewacht, der, der nachdem der böse Nazi aus dem falschen Becher getrunken hat, kurz bevor ebendiesem bösen Nazi das Gesicht wegschmilzt, diesen offensichtlichen Kommentar abgibt: "Seine Wahl war…schlecht."

Dieser Satz verfolgt mich, springt immer wieder hinter einer Ecke meines Alltages hervor. Die langsamste Schlange an der Supermarktkasse. Der Mann ohne Haare. Der Schleichweg nach Hause, der in eine Baustelle führt. Das Fahrrad nehmen, wenn’s nach Regen aussieht. Die Pommes heute Mittag, obwohl ich gar keinen Hunger hatte. Undsoweiter.

"Deine Wahl war…schlecht."

Vielen Dank, alter Mann, für diesen doch sehr wichtigen Hinweis.

Samstag, 17. Mai 2008

ferienzeit


In meinem Samstagnachmittagscafé machen die Baristas gerade Kaffeeverkostung. Der Kaffee wird aus jeder Maschine frisch aufgebrüht, dann wird ein Löffelchen aus jeder Schale probiert: sie saugen das Heißgetränk von einer Wangenhöhle in die andere, wirbeln den Schluck noch einmal im Uhrzeigersinn um die Zunge. Ausspucken. Danach werden, falls nötig, die Brühautomaten rekalibriert.

Ich sehe ihnen einige Augenblicke lang zu, dann wandern meine Gedanken kurz ins Abseits: wer hätte wohl die stärkste Aura hier im Raum, vorausgesetzt, ich könnte Auren sehen?

Freitag, 09. Mai 2008

es ist immer Jetzt!


Bei einer Lesung, bei der ich kürzlich war, wurde folgende Frage in den Raum geworfen: wie umsetzbar ist denn das 'im Jetzt Leben' im Alltag? Einer der Vortragenden sagte dazu, das Leitbild 'im Jetzt Leben' werde völlig überbewertet, und solange man nicht gerade Yogi oder Mönch ist, für uns ganz normale Leute ziemlich unmöglich einzuhalten. Der Schlüssel zu einem glücklichen Leben sind großartige Ereignisse oder Dinge, an die man sich gern erinnert, ebenso wie die großartigen Dinge, die man noch vorhat und auf die man sich freut. Also: viele Photos und viele Pläne machen!

Seit geraumer Zeit versuche ich, mein Leben genau so zu leben, nur habe ich es nicht ganz so gut in Worte fassen können. Ich glaube daran, dass wir schöne Bilder und Dinge aus unserem Leben brauchen und aufheben, weil diese uns helfen, die Geschichte unseres Lebens zu weben. Wenn ich mir meine Photos über die Jahre anschaue, stelle ich fest, dass ich einige fantastische Abenteuer mitgemacht habe, dass ich in einer kunterbunten Welt lebe, dass Schönheit an den erstaunlichsten Orten zu finden ist, dass sich Träume erfüllen, dass ich geliebt wurde und werde. In meinen Photos finde ich immer wieder andere Erinnerungen und Inspiration.

Pläne für die Zukunft zu schmieden gibt meinem gegenwärtigen Leben eine ganz andere Qualität. Wenn ich weiß, dass ich nächsten Monat auf Reisen sein werde oder nächste Woche wieder nächtelang durchtanzen werde, fühlt sich der heutige Tag ganz anders an. Leichter, irgendwie.

Dieses Jahr stehen einige nette Unterwegs-Abenteuer an, und allein zu wissen, was alles noch kommen wird, ist wie eine Packung Instant Happiness.

Viele Photos und viele Pläne machen – das ist so machbar.

Mittwoch, 07. Mai 2008

das meer empfiehlt


1. früh aufstehen, um Sachen zu erledigen, um die man sich schon viel zu lang gedrückt hat.
2. Zähne mit Zahnseide putzen.
3. Pizza mit Bananen und Schafskäse belegen.
4. Oralsex machen und davon nix als ein nasses Gesicht bekommen. Naja ... vielleicht auch nicht.
5. allein ins Bett gehen, weil man am nächsten Tag ausgeschlafen sein muss oder sonst irgendeine blöde Ausrede vor sich und allen anderen hat.

Freitag, 25. April 2008

küchengeheimnisse


In meiner Ernährungspyramide sind Bananen ganz oben angesiedelt, besonders Bananen in der Semmel oder als Shake mit Milch und Schokostreuseln, der auch schon mal eine komplette Mahlzeit ersetzt. Aber anscheinend ist in fünfzehn Bananen genug Chinin enthalten, um einen durchschnittlich gewichteten Menschen zu töten! Ich weiß nicht, ob es wirklich eine wissenschaftlich belegte Tatsache ist, ich habe diese Information von einer Freundin, die mit jemandem zusammen war, der es bei seinem Urologen im Wartezimmer in einem medizinischen Journal gelesen hat, aber es ist nicht wirklich etwas, dass ich auf die Probe stellen will.

Jeder, dem ich davon erzähle, hegt erst einmal Zweifel, aber nie genug, um sich tatsächlich an die Widerlegung dieser Behauptung zu machen. Nehmen wir mal an, jemand würde fünfzehn Bananen essen, um es ein für allemal herauszufinden. Was würde passieren?

Würde es ein allmählicher Niedergang in die Fruchtvergiftung mit schleichendem Verfall der inneren Organe sein, oder würde derjenige bis zur fünfzehnten Banane putzmunter sein und dann plötzlich tot umfallen? Und wenn er sich verzählt?

Im Bananentheorietestlabor:
'Ist das Nummer 14 oder 15?'
'Ich kann mich nicht erinnern.'
'Wie fühlen Sie sich?'
'Ganz gut soweit…'
'Hier ist noch eine.'
'Uh-oh! Sanitäter!' [Umfallgeräusch]
'OK, sieht aus, als wäre etwas Wahres dran, Jungs, fünfzehn Bananen ist die Obergrenze – Oh, wartet mal kurz, er bewegt sich noch. Geht's?'
'Puh, falscher Alarm! Ich denke, ich bin in Ordnung... '
'Gut, kurze Pinkelpause, dann werden wir die Bananendosis um weitere fünf erhöhen.'

Laut meinem Kochbuch beträgt die tödliche Dosis von Safran zehn Gramm. Safranrisotto, Safran-Honig-Milch, Safranknödel, Safrangarnelen…der perfekte Mord.

der norden

Die norddeutsche Tiefebene mag vielen auswärts lebenden Zeitgenossen flach und einförmig erscheinen, die in diesem Landstrich siedelnden Menschen wortkarg und verfressen. Doch der erste Eindruck täuscht gewaltig: Mitten in die Provinz schmiegt sich die schönste Stadt der Welt. Ihre Bewohner sind einerseits Bauern und Pendler, andererseits Graugänse und (kurz vor dem Aussterben) Husumer Protestschweine.

unterwegs

21.08.-21.08.09 - Köln 04.09.-08.09.09 - Berlin

neulich

lots of work to register...
lots of work to register but i did it ;) Can you contact...
desiree - vosgesparis - 25. Nov, 16:48
prima...
dann bist du am letzten Augustwochenende ganz in meiner...
ladypixel - 20. Aug, 09:04
lebe wild und gefaehrlich
Und noch eine Sache, die in die Rubrik "wir überwinden...
alpinweiss - 19. Aug, 15:33
phasenweise
Daß in meinem Leben gerade ein neuer Abschnitt...
alpinweiss - 19. Aug, 15:17
liebe.drama.wahnsinn.
Ein Fest war das gestern, ein Fest! © Bongarts/Getty...
alpinweiss - 18. Aug, 14:01
Im materiellen Sinne...
Im materiellen Sinne hat es sich schon gelohnt, es...
alpinweiss - 14. Aug, 10:01
die spinnen, die chinesen
Tätowierte Fische werden zum Verkaufsschlager...
alpinweiss - 14. Aug, 09:48
von 1 hatte ich ja schon...
von 1 hatte ich ja schon gehört, aber 2... hoppla!...
ladypixel - 13. Aug, 09:35

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